Individuelles Webdesign vs. fertige Templates: Wann macht was Sinn?

Auch im Web herrscht Überfluss. So ist es oft nicht leicht, geeignete Partner für den eigenen Webauftritt zu finden. Die einen wollen Kunden grundsätzlich nur selbstentwickeltes Design oder Programme verkaufen, während andere sich an einem großen vorhandenen Pool bedienen und „Ware von der Stange“ anbieten. Aber sind fertige Designs hochwertig genug? Lässt sich damit Geld sparen ohne auf Qualität verzichten zu müssen?

Meine Antwort lautet eindeutig JA. Es liegt einzig und allein am Qualitätsanspruch den der Auftraggeber, bzw. dessen Webdesigner an das Endprodukt stellt. Ich bekomme in meinem Job als Freelancer zunehmend Anfragen kleinerer Firmen oder anderer Freelancer. Und ich kann es absolut verstehen, dass ein einzelner Existenzgründer keine 2500,-€ für eine simple Portfolio-Website ausgeben kann.

Ein Preis wie dieser ist hierzulande absolut realistisch, aber für meine Begriffe nicht unbedingt immer gerechtfertigt.

Denn oft ist es so, dass dem Kunden grundsätzlich eine komplette Neuentwicklung angeboten wird. Sei es in Sachen Designkonzeption oder auch bei der Programmierung.

Ich habe sicherlich schon hunderte Websites im Laufe der letzten 10 Jahre individuell gestaltet und online gestellt. Als Angestellter in diversen Agenturen, später als Freelancer. Im Prinzip wiederholen sich bestimmte Gestaltungselemente immer und immer wieder, sodass man auch hier als Designer ständig auf seinen eigenen Designpool zurückgreifen kann.

Mittlerweile hat sich meine Einstellung dazu langsam aber sicher geändert und ich empfinde das Modell „Designer drückt dem Kunden seine Handschrift auf“ als veraltet. Oder sagen wir mal, es ab einem bestimmten finanziellen Rahmen schon noch eine Daseinsberechtigung. Ich persönlich biete weiterhin individuell auf den Kunden zugeschnittene Services an, bin aber mehr als offen für die vielen wirklich guten Sachen die es schon im Netz zu kaufen gibt.

Wer eine ordentlich gestaltete Designvorlage für die Website sucht, wird auf Seiten wie „templatemonster.com“ oder „themeforest.com“ fündig. Der Preis für ein fertiges Layout liegt oft nur bei etwa 50-100 US-Dollar, je nach Art und Umfang der gestalteten Seiten. Die Kosten, eine Designvorlage von einem professionellen Screendesigner anfertigen zu lassen, können durchaus das zehnfache und mehr erreichen.

Braucht man dann also keinen Webdesigner mehr?

Ich denke doch! Außer man kennt sich mit HTML/CSS/JavaScript, Textformatierung, Bildbearbeitung und vielleicht noch Suchmaschinenoptimierung und Online-Marketing aus. Es kommt erfahrungsgemäß selten vor, dass jemand der z.B. eine Praxis für Naturheilkunde eröffnet, all diese Kenntnisse mitbringt. Und die werden gebraucht, zumindest dann, wenn die Website eben wirklich professionell ihren Zweck erfüllen soll. Es reicht nämlich schon lange nicht mehr aus, eine Website einfach nur ins Netz zu stellen. Dann wird sie zum „Ladenhüter“, wie ein Produkt für das keine Werbung gemacht wird.

Es macht also durchaus Sinn, einen erfahrenen Webdesigner zu kontaktieren und gemeinsam nach geeigneten Vorlagen zu suchen. Hier wann es vorkommen, dass von fertigen Vorlagen grundsätzlich abgeraten wird. Meistens aufgrund der schlechten Quellcode-Programmierung oder einiger Design-Fehler. Und das kann ich zum Teil sogar bestätigen. Häufig bekommt man als Fachmann einen Schreck wenn man sieht, wie fertige Vorlagen programmiert sind.

Aber genau an diesem Punkt ist in der Webdesign-Branche ein Umdenken gefragt!

Als Profi habe ich ja die Möglichkeit, vorhandene Vorlagen für meinen Kunden anzupassen und zu optimieren. Dadurch verdiene ich immer noch gutes Geld, mein Kunde spart unter Umständen viel Geld weil ich nicht von Grund auf neu entwickeln muss. Davon abgesehen lässt sich diese Arbeit einem ahnungslosen „Heilpraktiker“ viel leichter rechtfertigen und erklären.

Meine Erfahrung hat eindeutig gezeigt das der Kauf eines fertigen Designs, gepaart mit ein paar Stunden professioneller Optimierung, zu absolut professionellen und zufrieden stellenden Ergebnissen führen kann.

Wer braucht dann noch individuelles Design?

Nun, ich denke das es für beide Seiten eine große Nachfrage gibt. Es sind aber meist Unternehmen ab einer gewissen Größe die individuelle Designs benötigen, oder bereits eine ausgefeilte Corporate Identity mit strengen Richtlinien besitzen. Vor allem aber können diese auch etwas tiefer in die Tasche greifen und wollen auch in Sachen Webdesign ein absolutes Alleinstellungsmerkmal haben. Absolut verständlich und nachvollziehbar. Alles soll aus einem Guss sein.

Es spricht natürlich auch nichts dagegen, individuelle Designs für kleinere Unternehmen anzufertigen. Wie gesagt, es ist alles eine Frage von Zeit und Kosten. Wer es sich leisten kann und handfeste Gründe dafür hat, wird mit einem eigens gestaltetem Webauftritt sicher besser bedient sein.


Simon Köhler

Simon Köhler ist Webdesigner mit über 12 Jahren Erfahrung und Experte für TYPO3 Websites und Online Marketing.
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